Stuttgarter Kinderversammlung: Zweite Runde

Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Information und Beteiligung. 2020 wurde deshalb das Format der Stuttgarter Kinderversammlung ins Leben gerufen, um Kinder in einem regelmäßigen Format an Themen zu beteiligen, die sie in ihrer Stadt beschäftigen.
 
Diese Kinderversammlung hat jedes Jahr ein Schwerpunktthema und einen vorgeschalteten Prozess, bei dem sich Kinder in „Mitmischgruppen“ zusammenschließen, Ideen entwickeln und Forderungen aufstellen. Veranstalterin ist die Stadt Stuttgart in Kooperation mit der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft und dem Stadtjugendring.
 
In diesem Jahr musste die Stuttgarter Kinderversammlung, die für den 11. März geplant war und zu der sich bereits über 250 Kinder aus 26 Mitmischgruppen angemeldet hatten, kurzfristig abgesagt werden. Alle Anträge der Gruppen wurden jedoch beantwortet und an die Gruppen verschickt. Corona-bedingt ist auch der anstehende Prozess ohne gemeinsame Veranstaltung im Rathaus geplant. Dennoch will die Stadt Kindern auch 2021 die Gelegenheit geben, ihre Anliegen zu formulieren und an die Verantwortlichen der Verwaltung heranzutragen.
 
Schwerpunkt der Kinderversammlung 2021 ist das Thema Spiel, Freizeit und Kultur, das im Juli 2020 von den 1.500 teilnehmenden Stuttgarter Kindern selbst gewählt wurde. Das Thema lag mit 150 Stimmen vor dem zweitplatzierten Kinderrecht auf Gesundheit, dicht gefolgt vom Thema Gerechtigkeit. Alle Themen leiten sich direkt von Kinderrechten der UN-Kinderrechtskonvention ab.

Die Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler erläutert: „Wir standen in der Vorbereitungsgruppe vor der Überlegung, die stadtweite Kinderbeteiligung in dieser Situation ganz auszusetzen. Gemeinsam sind wir aber zur Überzeugung gelangt, dass wir gerade in diesen Zeiten Möglichkeiten eröffnen müssen, um Kindern eine Stimme zu geben. Das Themenfeld Spiel, Freizeit und Kultur, das ganz besonders für ein kinderspezifisches Recht steht und derzeit sehr strapaziert wird, scheint uns dafür besonders geeignet, auch wenn wir alle in der Umsetzung herausgefordert sind.“
 
Vom Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 sind Stuttgarter Kinder zwischen acht und zehn Jahren aufgerufen, sich in Mitmischgruppen mit dem Thema Spiel, Freizeit und Kultur zu beschäftigen, sich zu informieren, Erfahrungen einzubringen, Ideen zu entwickeln und dann Forderungen an Politik und Verwaltung zu formulieren. Diese werden an den verantwortlichen Stellen eingebracht, mit den entsprechenden Expertinnen und Experten diskutiert, weiterverfolgt und möglichst umgesetzt. Die Bildung von Mitmischgruppen ist unter den aktuellen Umständen derzeit leider nur innerhalb bereits bestehender fester Gruppen zum Beispiel innerhalb von Schulklassen, in entsprechenden Ganztags- oder Betreuungsangeboten möglich. Da es keine gemeinsame Veranstaltung geben wird, werden alternative Formate einen Austausch zwischen den Kindern und den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sicherstellen. Die Bearbeitung der Anliegen seitens der Stadt sowie eine zeitnahe Rückmeldung an die teilnehmenden Kinder und gegebenenfalls Umsetzung der Ideen sind ein besonderes Ziel.
 
Die Kinderversammlung ist eine von 32 Maßnahmen des „Aktionsplans zur lokalen Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention 2020 bis 2022“. Der Aktionsplan wurde am 23. Januar 2020 vom Gemeinderat beschlossen und dient als Grundlage für eine kinderfreundliche Gestaltung Stuttgarts. Dafür wurde die Stadt Stuttgart am 4. März vom Verein Kinderfreundliche Kommunen ausgezeichnet. Träger des Vereins sind das Deutsche Komitee für Unicef und das Deutsche Kinderhilfswerk.